• ELTEN ist Fan von:

    Sören Friedrichsen

    Diana Wynen & Benjamin Strahlen, 27.03.2020

Arbeiten auf dem Windrad, Teil 2

ELTEN ist Fan von: Sören Friedrichsen, 53 Jahre alt und von Beruf technischer Betriebsführer und Sachverständiger für Windenergieanlagen (DESAG) bei der ee-Nord im Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog in Nordfriesland.

Die Arbeit an und auf einer Windkraftanlage ist abwechslungsreich, spannend und für Sören Friedrichsen, Sachverständiger für Windenergieanlagen, ein Traumjob. Jedoch lauern auch eine Menge Gefahren auf dem Windrad und wer dort oben arbeitet, muss bestens geschult sein. In diesem zweiteiligen Blogbeitrag möchten wir euch Sören Friedrichsen und seinen spektakulären Job vorstellen. Den passenden Film zum „Arbeitsplatz Windrad“ gibt es hier – zum ersten Teil unserer Reportage geht es hier entlang

Um seine Arbeit auf der Windkraftanlage machen zu dürfen, muss Sören Friedrichsen auch mit seinen 53 Jahren noch absolut fit sein. Jedes Jahr absolviert er ein Höhensicherheitstraining und unterzieht sich einer Untersuchung beim Arzt – der Arbeitsmedizinische Untersuchung G41 für Arbeiten mit Absturzgefahr. In diesem zertifizierten Test muss er ein Belastungs-EKG, einen Hör- und Sehtest sowie diverse andere Aufgaben, wie das Laufen auf der Stelle mit geschlossenen Augen, bestehen. „Aber ich muss nicht nur fit, sondern im Notfall auch in der Lage sein, anderen – aber auch mir selbst, zu helfen“, erzählt er. Daher muss er alle zwei Jahre ein umfangreiches Erste-Hilfe-Training absolvieren.

Die Arbeit rund um die Windkraftanlage ist nämlich nicht ganz ungefährlich. Es gibt vielfältige mögliche Gefahren, wie umknicken, einklemmen oder Stromschläge – und nicht zuletzt das Hängetrauma. Dies beschreibt einen Schockzustand, ausgelöst durch längeres und bewegungsloses Hängen in einem Sicherungsgurt. Durch die erzwungene Körperhaltung fließt das Blut in die herunterhängenden Körperteile, ein Rückfluss ist nicht möglich. Bereits 20 Minuten in dieser Situation können ein tödliches Ende nehmen. Deshalb muss Sören Friedrichsen genau wissen, was zu tun ist und schnell handeln, da sonst Lebensgefahr besteht.

Spektakulärer Job auf der Spitze

Auf dem „Dach“ des Maschinenhauses, auch Gondel genannt, sieht sich Sören Friedrichsen gut gesichert und in kompletter Schutzausrüstung die Außenhaut an. Genauestens kontrolliert er die Außenhaut der Anlage auf eventuelle Schäden, denn das glasfaserverstärkte Material ist in dieser Höhe großen Belastungen ausgesetzt. „Nicht nur die Höhe, auch das raue, salzhaltige Klima der Nordsee beanspruchen das Material hier oben stark“, erläutert er. Das Maschinenhaus ist drehend gelagert und kann so analog zum Wind, gedreht werden.

Ebenfalls auf dem Maschinenhausdach befinden sich die grauen Kühler der Anlage. Sie leisten einen wichtigen Dienst, denn sie kühlen Getriebe und Generator.  Deshalb müssen ihre Schläuche absolut dicht sein. Auf den Haltern der Kühler sind zwei runde Aufsätze angebracht – das sind die Windsensoren, die dafür sorgen, dass der Rotor immer korrekt im Wind steht und die Windgeschwindigkeit gemessen wird. Um die Kühler begutachten zu können ist ein fester Halt und eine gute Sicherung das A und O. Von größter Wichtigkeit ist hierbei, die PSAgA (Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz) nur an den dafür vorgesehenen, gelb markierten Punkten anzuschlagen: „Es wäre lebensgefährlich sich anderswo absichern zu wollen. Denn dann ist nicht gewährleistet, dass das Material nicht bricht oder reißt“, erklärt Sören Friedrichsen.

Zum Ende der Begehung steigt Sören Friedrichsen in das „Maschinenhaus“ hinein und begutachtet dort alle elektrischen Bauteile und Komponenten, auch den Rotor. Man kann sogar in die Rotornabe klettern – auf 2,5 Quadratmeter und in Stehhöhe schaut er sich die Rotorblattbolzen und die Rohrblattverstellung an. „Von hier aus könnte ich auch die Rotorblätter innen öffnen und ein paar Meter hineingehen, um beispielsweise den Blitzableiter zu kontrollieren“, sagt er. Was für die meisten Menschen wie ein spektakuläres Wagnis klingt, sieht Sören Friedrichsen ganz pragmatisch: „Gerade bei heißen Temperaturen ein angenehmer, weil immer kühler Ort zum Arbeiten.“

An diesem Punkt ist Sören Friedrichsen mit der Begehung am Ende und es geht für den Sachverständigen zurück an den Schreibtisch. „Ich mag meinen Job sehr, er ist abwechslungsreich und was ich alles sehen darf – unglaublich!“. Das finden wir auch!

Wir hoffen dieser Vorgeschmack hat Lust auf mehr gemacht. Wir freuen uns auf alle Fälle schon sehr darauf (obwohl, ein wenig mulmig ist uns auch), ihn bald filmisch bei seiner Arbeit begleiten zu dürfen. In seinen und unseren ELTEN Sicherheitsschuhen.

 

27. März 2020 / von Diana Wynen