• ELTEN ist Fan von:

    Sören Friedrichsen

    Diana Wynen & Benjamin Strahlen, 26.03.2020

Arbeiten auf dem Windrad, Teil 1

ELTEN ist Fan von: Sören Friedrichsen, 53 Jahre alt und von Beruf technischer Betriebsführer und Sachverständiger für Windenergieanlagen (DESAG) bei der ee-Nord im Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog in Nordfriesland.

Eigentlich hatten wir an dieser Stelle eine ausführliche Dokumentation über Sören Friedrichsen und seinen „Arbeitsplatz Windrad“ inklusive eines Films geplant. Leider hat uns das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung gemacht und Dreharbeiten sind momentan nicht möglich. Sören Friedrichsen und seinen spektakulären Job wollen wir trotzdem schon einmal vorstellen. Den Film liefern wir nach, wenn die bundesweiten Drehbeschränkungen wieder aufgehoben sind.

Allein die Vorstellung eines solchen Arbeitsplatzes erzeugt bei vielen Menschen ein flaues Gefühl im Magen – für Sören Friedrichsen ist er ein Highlight. Als technischer Betriebsführer und Sachverständiger für Windenergieanlagen arbeitet der 53-Jährige in bis zu 170 Meter Höhe.

Auch für Sören Friedrichsen ist derzeit vor allem Homeoffice angesagt. In dieser Zeit hat er seine – sonst für die Arbeit vorgeschriebenen – Sicherheitsstiefel gegen den sportlicheren SANDER getauscht: „Ich trage schon lange und gerne ELTEN-Schuhe, auch privat, vor allem zur Gartenarbeit. Die sind super gedämpft und einfach bequem.“ Sein Arbeitstag beginnt auch zuhause um 6 Uhr in der Früh: Er startet am Computer die Leitwarte, um sehen zu können, ob alle Windkraftanlagen laufen. Die Software informiert in verschiedenen Farben anschaulich über Störungen und Fehler.

„Früher habe ich noch selber an den Anlagen geschraubt – heute bin ich als geprüfter und anerkannter Sachverständiger nur noch für die Überprüfung der Anlagen verantwortlich“, erzählt er. Sören Friedrichsen kontrolliert und nimmt ab, ob sich an der Windradanlage alles in korrektem Zustand befindet – so wie man es vom TÜV für Autos kennt.

Anschließend checkt er seine Mails, um dann die Fehlermeldungen und Anfragen nach Priorität abzuarbeiten. Weil in den letzten Jahren auch Windkraftanlagen immer elektronischer geworden sind, lassen sich zahlreiche Fehler schon vom Schreibtisch aus zurücksetzen. Für die Begutachtung und Behebung von allem anderen muss er raus zur Anlage und rauf auf das Windrad. Wann er auf das Windrad steigt, um die Anlagen zu begutachten und die Servicedienstleister zu kontrollieren, entscheidet er selbst. Die Voraussetzung für die Erfüllung dieser Aufgaben ist immer: Das Wetter muss gut sein und es sollte nur eine geringe Windstärke herrschen. Andernfalls entsteht dem Betreiber durch das erforderliche Stoppen der Anlage ein zu hoher finanzieller Verlust.

Von außen nach innen – und hoch hinaus

Seine Begehung startet Sören Friedrichsen immer im Außenbereich der jeweiligen Anlage. Erste Frage: Ist der Zufahrtsweg frei und intakt? Das ist besonders für mögliche Notfalleinsätze wichtig. „Bei älteren Anlagen nutzen Landwirte die Umgebung tatsächlich dafür, Anhänger abzustellen und sogar ein Misthaufen wurde schon einmal abgelegt. Außerdem graben sich Hasen gern im hohen Gras ihre Bauten, die zu gefährlichen Umknick- und Stolperfallen werden können“, erklärt er. Weiter prüft der Sachverständige, ob alle nötigen Warnschilder aufgehängt, aufgestellt und auch sichtbar sind. Diese warnen unter anderem vor Eisabwurf und weisen auf die benötigte Schutzausrüstung hin, die bei Betreten der Anlage getragen werden muss: Helm, Schutzbrille, Handschuhe, Auffanggurt, Handy und natürlich Sicherheitsstiefel sind Pflicht!

Zu der ersten Begutachtung von außen gehört auch, die Geräusche, die das Windrad macht, zu deuten. Sören Friedrichsen hört ganz genau hin: Unübliche Pfeifgeräusche können zum Beispiel ein Hinweis darauf sein, dass die Entwässerungsbohrungen der Rotorblätter verstopft sind. Weiter schaut er, ob es Leckagen, lose Bauteile oder Korrosionen im und am Turm gibt. Dann erst begibt er sich in die Anlage hinein.

Über Stufen oder eine Leiter erreicht er die Groundplattform (Foto links), wo sich die Steuerung der Anlage befindet. Von hier aus kann die Windenergieanlage gestoppt werden. Sören Friedrichsen kontrolliert in diesem Segment Temperaturen und Fehlermeldungen und checkt, ob es Schmauchspuren an den elektrischen Bauteilen oder Scheuerstellen an Kabeln gibt. Außerdem prüft er, ob Unregelmäßigkeiten an den einzelnen Turmsegmenten auffallen. Der Turm eines Windrades besteht aus mehreren Turmsegmenten, die mit starken Schraubverbindungen zusammengeschraubt sind. Schlüsselweiten von 60-70 mm sind keine Seltenheit.

Bevor es für Sören Friedrichsen dann noch weiter nach oben geht, prüft er noch alle Dokumente und schaut, ob die Komponenten in der Anlage regelmäßig einer Sachkundeprüfung und einer Wartung unterzogen worden sind. Der Turnus richtet sich dabei danach, ob es sich um eine neue (jährliche Prüfung) oder ältere (halbjährliche Prüfung) Anlage handelt und variiert von Hersteller zu Hersteller.

Über eine Leiter und/oder mit Hilfe eines Serviceliftes geht es dann ganz hoch hinaus für Sören Friedrichsen, auf das „Dach“ der Windkraftanlage – jedes Mal ein absolutes Highlight für ihn: „Ganz oft erfreue ich mich einfach an diesem Ausblick. Der Turm ist 100 Meter hoch, von dort oben schaue ich über die Schleswig-Holsteinische Küste bis hin zur Insel Sylt. Herrlich – das bekommt nicht jeder im Leben geboten!“

Da hat er Recht! Morgen geht es weiter mit dem zweiten Teil unserer Reportage: Arbeiten auf dem Windrad.

 

26. März 2020 / von Diana Wynen