• Kofferpacken für Fortgeschrittene

    Flugzeugabfertiger bei der Arbeit

    Christoph Nordmann, 26.09.2016

Auf die Füße geschaut: Der FMO Airport Service bei der Arbeit

Bevor ihr abhebt, legen sie sich ins Zeug: die Männer und Frauen des Airport Services am Flughafen Münster/Osnabrück (kurz FMO). Das Spektakel am Check-In und in der Sicherheitskontrolle kennt jeder von uns. Aber wem von euch ist schon mal aufgefallen, was sich alles auf dem Vorfeld abspielt, während wir uns darauf einstellen, bequem im Flieger Platz zu nehmen? Wir haben die Flugzeugabfertiger des Airport Services während ihrer Arbeit begleitet – und ihnen natürlich auch auf die Schuhe geschaut!

Für sechs Millionen Menschen im Einzugsgebiet NRW, Niedersachsen und den Niederlanden ist der Münster Osnabrück International Airport das Tor zu den Urlaubsparadiesen Europas. Von hier gehen Flüge nach Spanien, Griechenland und in die Türkei. Geschäftsreisende nutzen die Inlandsverbindungen nach Frankfurt, München oder Stuttgart. Hinzu kommen zahlreiche Privat- und Sondermaschinen, die im schönen Münsterland starten und landen.

Flugzeugabfertigung ist eine logistische Meisterleistung

Die Mitarbeiter der FMO Airport Services fertigen vor allem die Flüge der großen Airlines ab. Abfertigung – das klingt so beiläufig. Zugegeben: Wir Flugreisenden bekommen in der Regel wenig von diesem Vorgang mit. Vielleicht sehen wir mal einen Kofferwagen über den Flugplatz flitzen, wenn wir gedankenverloren durch das Fenster am Gate blicken, in Erwartung des bevorstehenden Boardings. Tatsächlich verbirgt sich hinter dem Begriff der Abfertigung jedes Mal eine kleine logistische Meisterleistung.

Wie viel Trubel auf dem Vorfeld herrscht, das wird einem wohl erst richtig bewusst, wenn man einmal selbst im Weg gestanden hat – unter Aufsicht, versteht sich. Kaum ist die Maschine gelandet, bestimmen Menschen in neonfarbenen Signalwesten das Bild. Ein Tankwagen eilt herbei, dazu eine Ground Power Unit, eine Art Akku auf Rädern, die den Jet mit Strom versorgt, während sich Service-Mitarbeiter um die Sauberkeit und den Nachschub an Frischwasser und Lebensmitteln kümmern.

Achtung, Koffer!

Nicht zu vergessen der Kofferwagen, der mindestens zweimal heranrollt – einmal zum Ent- und einmal zum Beladen. Hier sind starke Arme gefragt: Ein großer Ferienflieger hat im Schnitt 200 Koffer an Bord. Das macht in einer Abfertigungstour 400 Gepäckstücke für die Männer vom Airport Service. „Das spart das Fitnessstudio“, weiß Bodenpersonalleiter Horst Herting aus eigener Erfahrung.

Alles geht rasend schnell. Muss es auch: Der Flugplan ist eng getaktet. „Je nach Größe muss das Flugzeug in 25 bis 40 Minuten wieder startklar sein“, klärt FMO Airport Services-Geschäftsführer Klaus Stender auf. Weil sich innerhalb kurzer Zeit viele Wege kreuzen, ist höchste Aufmerksamkeit geboten. In dem Lärm der Turbinen hört man die Fahrzeuge nicht immer heranrauschen. Einmal nicht zur Seite geschaut – und schon hängt der Fuß unter dem Reifen. Da das Team vom Flughafen Münster/Osnabrück eingespielt ist, passieren derartige Unfälle nicht oft  – sie sind aber nicht ausgeschlossen. „Die größte Gefahr geht eher von den Gepäckstücken aus. Schnell landet so ein Koffer auf dem Fuß“, berichtet Flugzeugabfertiger Bernhard Everwin. Dementsprechend achten er und seine Kollegen darauf, dass sie hochwertige Sicherheitsschuhe tragen.

Die richtigen Sicherheitsschuhe für den Flughafen

Worauf es am Flughafen in Sachen Fußschutz ankommt, erklärt Wolfgang Dalhoff, Fachkraft für Arbeitssicherheit: „Unsere Mitarbeiter müssen bei ihrer Arbeit Schuhe der Sicherheitsklasse 2 anlegen. Ob Halbschuh oder knöchelhoch, das ist oftmals eine Glaubensfrage. Da man sich beim Rangieren von Trolleys leicht stoßen kann, hat sich die hohe Variante bewährt.“ Flugzeuge werden bei Wind und Wetter abgefertigt, demnach sind eine gute Rutschhemmung und wasserfeste Materialien weitere entscheidende Kriterien. Besonders wichtig ist, dass die Schuhe metallfrei sind. „Unsere Mitarbeiter müssen immer wieder Sicherheitszonen passieren. Jedes Piepsen der Detektoren kostet Zeit“, so Dalhoff. Schließlich komme es bei der Abfertigung auf jede Minute an. Wir erinnern uns: der eng getaktete Flugplan …

Inzwischen ist die Maschine wieder bereit für den Start, der Bus karrt die letzten Passagiere heran, die Flugzeugabfertiger des FMO Airport Services ziehen ab. Kurze Verschnaufpause. Bis der nächste Flieger seine Parkposition auf dem Vorfeld eingenommen hat. Dann geht das Spiel wieder von vorne los. Hut ab vor diesem Pensum!

26. September 2016 / von Christoph Nordmann