• JORI Feuerwehrstiefel

    statt Flip-Flops

    Christoph Nordmann, 07.12.2016

ELTEN unterstützt ISAR auf den Philippinen

Ob Erdbeben oder Wirbelsturm – was es heißt, wenn die Natur mit aller Gewalt zuschlägt, können sich viele von uns nur mit Hilfe von Bildern aus den Nachrichten oder dem Kino vorstellen. Für Thomas Laackmann, Katja Verfürth und Matthias Steff von International Search and Rescue (ISAR) Germany ist der „Day After Tomorrow“ keine Fiktion. Sie und ihre Mitstreiter sind im Katastrophenfall noch am nächsten Morgen vor Ort.

Ecuador, Haiti, Pakistan, Nepal, Indonesien. Was sich liest wie die exotische Reiseroute eines Abenteuerurlaubers, ist in Wahrheit eine (unvollständige) Aufzählung jener Orte, an denen die ISAR-Mitarbeiter in der Vergangenheit zum Einsatz kamen. Sie jetten dorthin, wo sie gerade gebraucht werden – und das innerhalb weniger Stunden. Die ISAR gehört zu den ersten Hilfsorganisationen, die im Katastrophenfall in der Krisenregion eintreffen. „Unser Anspruch ist es, in sechs Stunden eine Mannschaft auf den Weg zu bringen“, erklärt Schirrmeister Matthias Steff. Schließlich kommt es bei der Suche nach Verschütteten auf jede Minute an.

Neben der Bergung zählt die medizinische Versorgung von Katastrophenopfern zu den Kernaufgaben der 2003 in Duisburg gegründeten ISAR Germany. So auch 2013, als der Taifun Haiyan mit voller Wucht die Philippinen traf. Der Tropensturm verwüstete in dem asiatischen Inselstaat ganze Landstriche. 10.000 Menschen fanden den Tod, 4,3 Millionen verloren ihr Zuhause.

Not lindern, Kraft schöpfen

Thomas Laackmann, medizinischer Leiter von ISAR Germany, war damals vor Ort: „Das Ausmaß der Not und der Zerstörung kann man sich als Außenstehender wirklich nicht vorstellen.“ Keine leichte Situation für die Ersthelfer, die eine Menge Leid verarbeiten müssen. Wie das gelingt? „Man muss sich einen Schutzmechanismus aneignen“, sagt Laackmann, der 30 Jahre Erfahrung als Krankenpfleger mitbringt. Dessen Stellvertreterin Katja Verfürth ergänzt: „Vieles fängt man am Ende des Tages in Gesprächen ab.“ Die Gemeinschaft gibt Halt. Außerdem ist da noch diese eine Gewissheit: Vor Ort unersetzliche Arbeit zu leisten – das ist der Antrieb, aus dem die ISAR-Helferinnen und Helfer neue Kraft schöpfen: „Es ist schön zu sehen, wie Not gelindert wird und etwas Neues entsteht.“

So ergeht es ihnen auch im Falle der Philippinen. Bis heute – drei Jahre nach der Katastrophe – sind die Spuren vielerorts noch deutlich sichtbar. Allerdings: „In einigen Bereichen ist man weiter als vor dem Sturm“, weiß Thomas Laackmann zu berichten. Die Hilfe aus aller Welt, sie hat einen gezielten Aufbau der Infrastruktur überhaupt erst möglich gemacht. Im November kehrte Laackmann anlässlich des dritten Jahrestages nach Tacloban in die ostphilippinische Provinz Leyte zurück. Der Supertaifun hatte die 220.000-Einwohner-Stadt nahezu vollständig zerstört.

40 Paar Jori Feuerwehrstiefel im Gepäck

Mit im Gepäck: Equipment für die einheimischen Rettungskräfte. Deren Ausbildung hatte die ISAR in den vergangenen Monaten mit begleitet und vorangetrieben. „In Sachen Ausbildung sind die philippinischen Helfer gut geschult. Es fehlt jedoch an elementarer Ausrüstung“, merkt der gebürtige Sonsbecker an. „Wenn du als Feuerwehrwache in Deutschland Atemschutzmasken bestellst, hast du am nächsten Tag einen ganzen Container vor deiner Tür. In Tacloban teilen sich vier Retter und mehr eine Maske.“

Dank der Unterstützung zahlreicher Spender und dem Bundesverband Rettungshunde e.V. konnte der Wahlschweizer nun einige Engpässe beseitigen. So übergab er den Rettungskräften vor Ort eine vollständige Ambulanz. Außerdem 40 Paar Feuerwehrstiefel der Marke JORI, gestiftet von ELTEN. „Bis zuletzt waren die Feuerwehrleute in einfachen Straßenschuhen unterwegs. Manche sogar in Flip Flops“, so Laackmann. „Daher freuen wir uns, dass wir den Helfern vor Ort endlich geeigneten Fußschutz zur Verfügung stellen können!“

ISAR Germany

2003 in Duisburg gegründet, arbeitet die ISAR seit 2007 unter dem Dach der Vereinigten Nationen. Sie verfügt über 170, zu meist ehrenamtliche, Mitarbeiter, die weltweit eingesetzt werden können. Seit 2015 ist ISAR auch in Deutschland offiziell im Einsatz. Wer mehr über die Arbeit von ISAR erfahren möchte: Auf der vereinseigenen Homepage finden sich Informationen und Ansprechpartner für Spendenkontakte. Wir von ELTEN wünschen den Helfern von ISAR alles Gute!

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7. Dezember 2016 / von Christoph Nordmann