• Kammerbester Azubi NRW

    Jannik ist Landessieger Maßschuhmacher 2021

    Sabrina Sigmund, 17.11.2021

So gewann er den Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks

Es gibt etwas zu feiern: Unser ehemaliger Auszubildender Jannik Werner hat am Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks 2021 teilgenommen und im Beruf Maßschuhmacher den 1. Platz belegt. Er gilt nun als Landessieger NRW für den Beruf Maßschuhmacher. Zum Wettbewerb angemeldet hatte ihn seine Ausbilderin Nadine Claaßen. Am 30. Oktober wurde Jannik dann auf der Jubiläumsfeier der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe zum Landessieger gekürt. Mehr dazu in diesem Blog-Beitrag.

Janniks Weg zum Maßschuhmacher

Seit 2018 betreut unsere Orthopädieschuhmachermeisterin Nadine Claaßen unsere Auszubildenden auf ihrem Weg zum Maßschuhmacher. So auch Jannik Werner, der seine Ausbildung zum Schuhmacher vor kurzem beendete und nun als technischer Modelleur bei ELTEN arbeitet. Ihr fragt euch, wie der Arbeitsalltag eines Schuhmacher-Azubis aussieht? Hier ein älteres Interview von Jannik, in dem er euch mehr über seine Ausbildung erzählt:

„Aktuell bin ich in der Stepperei tätig und fange um sechs Uhr morgens an zu arbeiten. Zuerst habe ich das Zuschneiden der Schäfte erlernt und nach knapp zwei Wochen  durfte ich schon alleine an die Industrienähmaschine. Mittlerweile bin ich so weit, dass ich den kompletten Schaft selbst herstellen kann. Zu meinen Aufgaben zählen Reparatur- und Änderungsarbeiten sowie das Gestalten und Ausarbeiten von Schuhmodellen. Mir macht es viel Spaß, Schuhböden und Schäfte zu Sicherheitsschuhen zusammenzufügen, sprich Schnittmuster und Schablonen herzustellen, Schaftteile zuzuschneiden und diese anschließend zu montieren.

Wie die Ausbildung zum Maßschuhmacher abläuft

Während meiner Ausbildung habe ich mich das erste Mal handwerklich betätigt. Mir gefällt, dass man am Ende des Tages etwas in den Händen hält und sehen kann, was man geschaffen hat. Neben dem Produktmanagement und der Stepperei war ich während meiner Ausbildung im ELTEN Fabrikverkauf eingesetzt. Das Spannende am Fabrikverkauf ist, dass man als Schuhmacher direkten Kundenkontakt hat. So gleicht kein Arbeitstag dem anderen und man erlebt ständig etwas Neues. Zusätzlich verbringt man als Azubi ein bis zwei Tage pro Woche in der Berufsschule – und lernt dabei viele neue Gesichter kennen. Zudem beschäftigt man sich mit den unterschiedlichsten Themenkomplexen wie zum Beispiel der Anatomie des Menschen oder orthopädischen Zurichtungen.“

Das sind die Aufgaben der Maßschuhmacher

Grob kann man die Aufgaben eines Schuhmachers so zusammenfassen:

  • Beurteilen von Anatomie, Physiologie und Pathologie der Stütz- und Bewegungsorgane
  • Ausführen von Reparatur- und Änderungsarbeiten
  • Durchführen von kundenorientierten Maßnahmen
  • Gestalten und Ausarbeiten von Schuhmodellen
  • Vorbereiten von Einbauelementen und von Bodenteilen
  • Zusammenfügen von Schuhböden und Schäften zu Sicherheitsschuhen
  • Herstellen von Schablonen und Schnittmustern sowie Zuschneiden von Schaftteilen
  • Vorrichten und Montieren von Schaftteilen

Schuhmacher vs. Schuhfertiger

Schaut auch gerne einmal auf unserer Karriereseite vorbei – dort erfahrt ihr mehr über unsere aktuellen Azubi-Angebote. Schließlich bieten wir nicht nur den Ausbildungsberuf Schuhmacher, sondern zum Beispiel auch den Schuhfertiger an.

Zum Vergleich! Das sind die Aufgaben des Schuhfertigers:

  • Erstellen von Modellen nach Vorlage
  • Schuhe anfertigen und anpassen per Hand und mit diversen Maschinen
  • Zuschnitt von Leder und Stoffen
  • Montage von Schuhteilen zu verkaufs- und versandfertigen Schuhen
  • Anwendung von verschiedenen Näh- und Klebetechniken
  • Technische Bearbeitung von Schuhmodellen
  • Schuhe finishen
  • Maschinen am Arbeitsplatz einrichten und bedienen
  • Durchführung von Qualitätskontrollen

Janniks Landessieg als Maßschuhmacher 2021

Nun zurück zu Janniks Landessieg: Am 29. und 30. Juni 2021 fand die Prüfung des Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks statt. Bei dem Leistungswettbewerb handelt es sich um Europas größten Berufswettbewerb mit 70-jähriger Tradition. Das Hauptaugenmerk liegt auf den erbrachten Leistungen der Teilnehmer, die in diesem Jahr ihre Abschlussprüfung mit herausragenden Leistungen bestanden haben. Anhand von Arbeitsproben, Niederschriften oder Gesellenstücken wurden dabei zunächst von den Handwerkskammern die Kammersieger ermittelt. Auf Landesebene wurden dann aus den gemeldeten Kammersiegern in über 80 Berufen die Landessieger NRW bestimmt.

Die Prüfung des Leistungswettbewerbs bestand dabei aus drei Teilen und es gab eine zentrale Prüfungsaufgabe. Für Jannik lautete die Aufgabenstellung: Erstelle einen Maßschuh bzw. Schaft. Dazu konnte er sich zwischen einem sportlichen Design oder einem Tracking-Schuh entscheiden.

Die Prüfung an sich lief dann in den folgenden drei Phasen ab:

Der Ablauf des Leistungswettbewerbs

Teil 1: Technische Zeichnung

Als erstes wurde per Hand eine technische Zeichnung angefertigt und vorab zur Prüfungskommission geschickt – etwa einen Monat vor der Praxisprüfung. Jannik entschied sich für das Modell „Sportschuh“.

Teil 2: Praxisprüfung

Daraufhin folgte die Praxisprüfung, die an zwei Tagen im Berufsbildungswerk Josefheim Bigge in Olsberg stattfand. Die Praxisprüfung umfasste das Modellieren des Designs auf der Leiste sowie das anschließende Detaillieren. Bedeutet: Die Schaftteile wurden mithilfe von Schneidewerkzeugen auf das Modellierpapier gebracht. Dadurch ergaben sich die Schablonen der Schaftteile, welche dann auf dem Material der Wahl zugeschnitten werden konnten. Jannik wählte das Mikrofasermaterial. Dieses ist nachhaltiger als Leder, besitzt aber gleiche Eigenschaften und passt besser zu einem Sportschuh. Danach wurde gesteppt, sprich alles miteinander vernäht. Die Prüfer beurteilten die Verarbeitung sowie den Sitz des Schafts auf Leisten. Aber auch das anschließende Fachgespräch wurde in die finale Beurteilung mit einbezogen.

Teil 3: Mündliche Prüfung

Im Fachgespräch hinterfragten die Prüfer den gesamte Arbeitsprozess. Warum wurden die Materialien gewählt? Nach welchem Muster (sportlich oder tracking) wurde gearbeitet? Was waren die jeweiligen Arbeitsschritte?

Großes Lob bekam Jannik für die Verarbeitung seines Schafts. Aus Sicht der Prüfer sei „der Schaft sehr gut abgearbeitet worden“. Ebenfalls fiel er durch sein außerordentliches Engagement auf, da die Industriesteppmaschine nach Tag 1 ausfiel und er diese mit Franziska Neblung (ebenfalls ELTEN-Azubine) 1,5 Stunden nach der Prüfung reparierte, sodass sie für den nächsten Prüfungstag wieder einsatzbereit war. Am 30. Oktober fand dann die Abschlussfeier samt Siegerehrung bei der Handwerkskammer Ostwestfalen-Lippe in Bielefeld statt. Wir gratulieren Jannik ganz herzlich zum großartigen Landessieg – und freuen uns, ihn und seine Expertise weiterhin an Bord zu haben!

An dieser Stelle möchten wir auch unsere ehemalige Auszubildende Franziska Neblung besonders erwähnen. Franziska (30 Jahre) bestand ihre Ausbildung mit der Note 1, konnte allerdings nicht mehr am Leistungswettbewerb teilnehmen, da sie älter als 27 Jahre ist. Auch ihr danken wir für ihr großes Engagement und gratulieren zu den fantastischen Prüfungsergebnissen.

17. November 2021 / von Sabrina Sigmund
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