• PSV Business Magazin

    Trainer Roger Schmidt im Interview

    Sabrina Sigmund, 02.04.2021

PSV und ELTEN: NIEDERLÄNDISCHE INNOVATION TRIFFT AUF DEUTSCHE SICHERHEIT

WALK ON THE SAFE SIDE: Mit diesem Slogan stellte sich ELTEN als Sponsor beim niederländischen Fußball-Erstligisten PSV Eindhoven vor. Mittlerweile ist ELTEN seit einigen Jahren als Sponsor des Clubs aktiv und stattet unter anderem die Stewards mit Sicherheitsschuhen aus. Rob Rooijakkers, Head of Sales bei ELTEN, ist stolz auf die Zusammenarbeit. Im Gespräch mit PSV-Trainer Roger Schmidt wird klar, dass Management, Trainingsansätze und die deutsch-niederländische Kultur mehr miteinander gemeinsam haben als gedacht.

Auf dem PSV Campus „De Herdgang“ wird Rob Rooijakkers, Head of Sales bei ELTEN, von PSV-Trainer Roger Schmidt persönlich empfangen. Das Trainingsfeld der ersten Mannschaft liegt voll mit übriggebliebenen Bällen aus vorherigen Trainingseinheiten. Entlang der Längsseite des Fußballfeldes ist die bekannte Bandenwerbung mit allen Partnern und Sponsoren von PSV zu finden. „Da in der Mitte, da stehen wir“, erklärt Rooijakkers. „Ach, das seid also ihr“, antwortet Schmidt und lacht. Umrahmt von den typischen PSV-Farben steht in der Mitte der Bande ein rotes Schild mit Aufschrift „ELTEN“. Voller Stolz erzählt Rooijakkers von seinem Unternehmen und schnell vertieft sich das Duo in ein Gespräch über ihre jeweilige Berufswelt sowie die aktuellen Ergebnisse der letzten PSV Spiele.

„Wir müssen nicht alle Freunde sein, aber ich möchte, dass sich jeder gut fühlt und wir konstruktiv zusammenarbeiten.“

TRAINER UND MANAGER

Das Gespräch schweift ab in Richtung eines Themas, über das beide viel zu erzählen haben: die Verbindung zwischen Deutschland und den Niederlanden. „Ich arbeite selbst schon fünfzehn Jahre lang für ein deutsches Unternehmen“, erzählt Rooijakkers. „Deshalb bin ich gespannt zu erfahren, wie es für dich aus kultureller Sicht ist, jetzt in den Niederlanden zu arbeiten?“ Schmidt antwortet: „Sehr, sehr positiv. Die deutsche und die niederländische Kultur sind sich sehr ähnlich, mit dem einzigen Unterschied, dass es sich in den Niederlanden noch etwas entspannter und relaxter anfühlt. Aber das lässt sich in der Coronazeit natürlich auch schwierig beurteilen. Ich habe den Verein „draußen“ ja noch nicht wirklich richtig miterlebt.“

Das Coronavirus ist das große Thema, das sowohl PSV als auch ELTEN in den letzten Monaten beschäftigt hat. Schmidt hat in dieser schwierigen Zeit viel Unterstützung von seinem neuen Club erhalten: „Das Klima hier ist sehr gut, sehr freundlich und familiär. Das hilft enorm. Wir haben natürlich noch das Glück, dass wir Fußballspielen können, aber für viele Spieler ist es eine schwierige Zeit. Sie sehen die Jungs hier im Team, ihren Partner und vielleicht noch die Kinder zu Hause – und sonst niemanden. Ihr sonstiges Leben ist zum Stillstand gekommen. Deshalb bin ich froh, dass wir hier bei PSV so viel füreinander da sind und die Spieler sich so gut verstehen. Diese Freundschaft ist total wichtig. Hier bei „De Herdgang“ können sie sich zu Hause fühlen.“ Rooijakkers erkennt die Gemeinsamkeiten zwischen der Trainerrolle und seiner eigenen Funktion: „Auch ich habe ein Team, das ich manage. Ich sitze oft alleine im Business Room im Philips Stadion, alles läuft digital. Wir vermissen den persönlichen Kontakt mit allen Kollegen und unseren Kunden. In unserem Familienunternehmen spielt Teamgeist eine große Rolle. Genau wie in einem Fußballteam haben wir talentierte, junge Kollegen, die sehr wichtig für uns sind. Hier müssen wir dafür sorgen, dass sie in engem Kontakt mit unseren erfahrenen Team-Mitgliedern bleiben.“

EIN LEBEN VOR UND NACH CORONA

Als Nächstes geht es für die beiden Herren um die Frage, ob die aktuelle Situation das Leiten eines Teams erschwert – und auf welche Art und Weise. Schmidt findet, dass es nicht schwieriger ist – aber anders. “Als Trainer ist es jetzt sogar etwas einfacher”, erzählt der Trainer. „Die Spieler haben weniger soziale Kontakte zu Hause und dadurch weniger externe Einflüsse, die sie ablenken können. Andererseits ist es auch so, dass das Leben abseits des Fußballs stillsteht , was mental auch viel mit den Fußballspielern macht. Das Spiel, das Umfeld und ein Ort wie „De Herdgang“, wo noch etwas Gemeinschaft und Zusammenleben stattfindet, ist jetzt wichtiger denn je für die Spieler. Als Trainer zählt es auch zu meinen Aufgaben dafür zu sorgen, dass die Spieler sich außerhalb des Platzes wohlfühlen, sodass sie auf dem Platz ihre Bestleistung abliefern können. Es ist wirklich ein großes Privileg, dass wir bei PSV so eine gute Gemeinschaft aufgebaut haben.“

“Wenn ich das so höre, verstehe ich das absolut“, ergänzt Rooijakkers. „Fußball war für die Spieler ein Hobby, jetzt ist es vor allem ihr Beruf. In meiner Funktion als „Trainer“ in unserem Unternehmen, sorge ich dafür, dass meine Sales-Mitarbeiter – sozusagen unsere „Spieler“ –  ihre Arbeit auch als eine Art Hobby sehen. Wenn ich neue Menschen kennenlerne und neue Kollegen im Team willkommen heiße, dann versuche ich, sie auch persönlich kennenzulernen. Wir sind ein Familienbetrieb, deshalb spielt persönlicher Kontakt bei uns eine große Rolle. Nach dem Jahreswechsel habe ich mir die Zeit genommen und viele Kollegen angerufen, um ihnen die Neujahrswünsche zu überbringen und ein bisschen zu quatschen. So erfährt man auch, wie es zu Hause wirklich läuft und wie es ihnen geht. Kranke Familienangehörige, Corona-Probleme und Freunde, die man lange nicht gesehen hat. Diese Probleme nehmen sie dann natürlich auch mit auf die Arbeit. Man sieht aktuell, dass immer mehr Menschen Probleme mit Stress haben oder ein Burn-out bekommen – und deshalb ist es für mich wichtig, dafür zu sorgen, dass das nicht passiert. Denn das wäre natürlich nicht nur für das Unternehmen fatal, sondern auch für den Arbeitnehmer selbst.“

“Nach all den Videokonferenzen und digitalen Meetings bin ich gespannt, was davon nach Corona noch bleibt“, meint Schmidt. „Ich bin davon überzeugt, dass der persönliche Kontakt, das Zusammensitzen und das sich wirklich anschauen können in einem Video-Call nicht möglich ist. Wenn ich für den gesamten Verein Schuhe bei euch bestellen wollen würde, würde ich diese sehen, anprobieren und Fragen dazu stellen wollen.“ „Es wird ein Leben vor und ein Leben nach Corona geben“, schlussfolgert Rooijakkers. „Nur wie es aussieht, das wissen wir noch nicht.“

DEUTSCH-NIEDERLÄNDISCHE KULTUR

Eine Gemeinsamkeit, die Rooijakkers und Schmidt verbindet, ist ihr deutsch-niederländischer Background. Schmidt arbeitet als deutscher Trainer für einen niederländischen Verein, während Rooijakkers als Niederländer für ein deutsches Unternehmen arbeitet.  Es gibt viele kulturelle Unterschiede und man lernt ständig dazu. Doch Rooijakkers findet auch, dass man beide Kulturen nicht einfach über einen Kamm scheren kann: „Für meinen Beruf reise ich durch ganz Deutschland und dabei fallen mir schon zwischen den einzelnen Bundeländern kulturelle Unterschiede auf. Der Norden ist komplett anders als der Süden. Man kann also nicht einfach so etwas als „die deutsche Kultur“ bezeichnen.“ Schmidt nickt zustimmend, während Rooijakkers weitererzählt: „Andererseits habe ich auch viel gelernt von unseren Nachbarn, zum Beispiel Gründlichkeit und Pünktlichkeit. Ich glaube, dass ich mittlerweile einen guten Mix beider Kulturen verbinde. Ich bin noch immer Niederländer, der gerne in die Zukunft blickt und neue Dinge ausprobieren will. Von meiner Unternehmensführung, die größtenteils deutsch ist, habe ich gelernt, die Themen noch sorgfältiger und strukturiert anzugehen.“

„Ich finde es aktuell einfacher, ein Team zu leiten!“

„Ich finde es schwierig zu sagen, dass ich wirklich etwas von der niederländischen Kultur lerne“, sagt Schmidt. „Ich trainiere Teams mit Spielern aus vielen verschiedenen Nationen. Natürlich haben wir auch viele Niederländer, aber auch Deutsche, Franzosen, Afrikaner, Süd-Amerikaner und so weiter. Ich kann daher nicht wirklich sagen, dass unser Team eine deutsche oder niederländische Kultur hat – wir haben als Verein eine ganz eigene Kultur. Das formt letztlich eine neue Identität. Wenn ich bei einem neuen Verein beginne, dann tue ich das eigentlich als eine Art unbeschriebenes Blatt. Ich probiere dann, ich selbst zu sein, aber auch offen zu sein für die Kultur des Vereins und dafür zu sorgen, dass jeder sich wohlfühlt und so die bestmögliche Leistung abrufen kann. Als Trainer ist das die Basis für Erfolg.“ „Und das gleiche gilt auch für Manager“, ergänzt Rooijakkers. „Wir müssen nicht alle gut befreundet sein, aber ich möchte schon, dass sich jeder gut fühlt und wir konstruktiv zusammenarbeiten können.“ Schmidt sieht das genauso: „Natürlich müssen die Spieler untereinander nicht alle beste Freunde sein, aber sobald der Schiedsrichter die Partie anpfeift und das Spiel beginnt, möchte ich schon, dass sie spielen wie beste Freunde.“

SICHERHEITSSCHUHE FÜR DEN COACH

Nach einiger Zeit dreht sich das Gespräch wieder um Fußball und die anstehenden Spiele. Mit Blick über das Trainingsfeld sprechen die beiden wie alte Bekannte über ihre Arbeit und den Sport, den sie beide lieben. Zum Schluss hat Rooijakkers noch eine wichtige Frage an Schmidt: „Welche Schuhgröße hast du? Dann sorge ich dafür, dass du bald ein paar Sicherheitsschuhe von ELTEN bekommst.“ Der Trainer antwortet mit einem Lächeln: „Super! Größe vierundvierzig, bitte.“

1. April 2021 / von Sabrina Sigmund