• Lebensretter

    an der Müllpresse

    Stefanie Teßner, 21.11.2019

Schneller als die Presse

Wertstoffverwertung ist ein großes Geschäft. Wir produzieren tagtäglich so viel Abfall wie selten zuvor. Durch den Online-Handel gibt es immer mehr Pakete und somit auch Verpackungsmüll. Bei Remondis kümmert man sich um die Verwertung der sogenannten Wertstoffe. Die Gefahren für die Mitarbeiter sind bei der Erstverarbeitung groß. Wir waren in der Niederlassung bei Coesfeld und haben uns nicht nur mit einem Profi über die Verwertung von Wertstoffen unterhalten, sondern uns auch den Gefahren im Arbeitsalltag angenommen.

Die Müllpresse

Coesfeld, eine kleine Kreisstadt in der Nähe von Münster. Hier befindet sich eine der weltweit 800 Niederlassungen des Familienunternehmens Remondis. Seit der Gründung 1934 ist der Dienstleister für Recycling zu einem Globalplayer mit über 32.000 Mitarbeitern herangewachsen. Ob Schadstoffe, Sperr- und Biomüll, Papier und Pappe – die Niederlassung im Münsterland kümmert sich für die Region drum.

20,5 Mio. t. Altpapier und Kartonagen fallen pro Jahr in Deutschland an. Doch was passiert mit dem Teil des Materials, der tagtäglich in Coesfeld angeliefert wird? Sobald die LKWs den Wertstoff in der großen Verwertungshalle ausgeladen haben, werden die Mengen mithilfe eines Staplers auf das Förderband der Ballenpresse geschoben. Das etwa 12 Meter lange Förderband führt den Wertstoff der Presse zu, die mit über 200 Tonnen Druck transportfähige Ballen für die Weiterverarbeitung erstellt.

Die Gefahren

Bei den Arbeiten am Presswerk lauern einige Gefahren. Das weiß niemand besser als Werner Hoppe (59). Der Maschinenführer ist seit 18 Jahren für Remondis aktiv und arbeitet tagtäglich mit den Wertstoffen. „Meistens arbeite ich mit meinem Stapler, damit kriegen wir die meisten Wertstoffe befördert“, erzählt der Routinier. „Aber wir arbeiten auch mal direkt am Förderband, wenn wir klassisch mit dem Besen Reste aufs Band kehren“. Das gefährlichste an der Arbeit seien Gefahren durch Stolpern. „Wenn man am Band stolpert und ungünstig stürzt, kann man im schlimmsten Fall bewusstlos auf diesem landen“, berichtet er. Was passiert, wenn man daraufhin in die Ballenpresse gelangt – das kann sich jeder selbst ausmalen.

Jährlich versterben viele Menschen bei Unfällen an und in einer Müllpresse. Die Firma Remondis verwendet zum Schutz der Mitarbeiter ein Sicherheitssystem der Firma Borema Umwelttechnik AG. Die Anlagen sind von Borema mit einem Personenschutzsystem ausgestattet worden. Die Mitarbeiter tragen entsprechende Transponder in Form von Armbändern oder an Ketten. Diese stoppen das Förderband auf Basis der RFID Technik, wenn ein Mitarbeiter in den Gefahrenbereich gerät. Zudem wird ein Alarm ausgelöst, der die Kollegen informiert und so entsprechende Hilfemaßnahmen eingeleitet werden können.

Die Lösung

Allerdings treffen die Transponder nicht immer auf die Akzeptanz der Mitarbeiter und werden teilweise aus Bequemlichkeit nicht getragen. „Unsere Sicherheitsschuhe tragen wir jedoch immer“, klärt Hoppe auf. Aus diesem Grund hat ELTEN das Modell Renzo Mid ESD S3 am Schaft mit einem zusätzlich eingearbeiteten Lederband ausgerüstet. Mithilfe dieser Lösung kann der Schuh mit einem Transponder ausgestattet werden. „Ein echter Mehrwert, sollte es zum Ernstfall kommen. Bei den Schuhen hat auch niemand eine Ausrede, den Transponder zu vergessen. Denn eins ist sicher: Ohne Schuhe geht niemand in die Halle“, stellt der langjährige Mitarbeiter fest.

Die Prototypen-Reihe wird in der nächsten Zeit in Coesfeld sowie anderen Remondis Standorten getestet. Dort sind die Transponder mit einer Batterielaufzeit von ca. drei Jahren in der Regel vorhanden. So wird der Transponder nach dem Kauf von dem Mitarbeiter am Schuh befestigt und kann zum Ende der Lebenszeit des Schuhs weiterverwendet werden. ELTEN und der Personenschutzsystem-Hersteller Borema haben somit eine Lösung gefunden, womit die Investitionskosten für ein solches System minimiert und zudem zusätzlicher Elektroschrott vermieden wird. Der ELTEN Schuh schützt so nicht nur vor Gefahren, sondern kann im Zweifel sogar Leben retten.

4. Dezember 2019 / von Jonna Henkel