• Die zehn härtesten

    Berufe im Handwerk

    Christoph Nordmann, 18.04.2017

Zwischen Kunst und Knochenjob

Das Handwerk ist eine Kunst – aber auch ein Knochenjob. Die Belastungen sind hoch. Statistiken zufolge wird jeder vierte Deutsche vor dem Erreichen des Rentenalters berufsunfähig. In einigen Handwerksberufen liegt die Quote jedoch höher. Welche das sind? Wir blicken auf die zehn härtesten Berufe im Handwerk, die Euch und Eurem Körper alles abverlangen. Vielleicht ist Euer Job ja dabei…

10. Stuckateure: Stuckateure gelten als Feingeister auf dem Bau. Mal ehrlich, wem von Euch fallen nicht sofort die kunstvollen Wand- und Deckenverzierungen berühmter Bauwerke ein, wenn von Stuck die Rede ist? Ehre, wem Ehre gebührt. Aber Stuckateure leisten darüber hinaus wichtige Basisarbeit. Sie verputzen und dämmen Wände, stellen Leichtbauwände und abgehängte Decken her und installieren Lüftungs- und Klimasysteme. Stuckateure tragen schwer, arbeiten „über Kopf“ (wodurch Nacken, Schultern und Arme beansprucht werden) und sind Lärm und mechanischen Schwingungen ausgesetzt. Ein feiner Geist allein reicht hier nicht aus.

9. Maurer: Maurer sind eine Berufsgruppe mit viel Tradition. Besonders traditionell ist ihr erhöhtes Risiko für Muskel- und Skeletterkrankungen. Mauern sind massiv, dementsprechend schwer müssen Maurer schleppen. Jeder vierte Untersuchte erhält einen entsprechenden medizinischen Befund. Besonders häufig betroffen sind der Schulter- und Nackenbereich und die untere Rückenpartie. Weil Mauerwerke ständig eingerissen werden, anderswo aber wieder errichtet werden, hat der Berufsstand Zukunft. Die Beschwerden allerdings auch.

8. Zimmerer: Die Axt im Haus erspart den Zimmermann? Sorry, Schiller: Aber wer das ernsthaft behauptet, der hat keine Ahnung. Zimmerer sind echte Allrounder – ob in der Werkstatt oder auf der Baustelle. Von einzelnen Elementen für Dach, Wand und Boden bis hin zum ganzen Bauwerk sind Zimmerleute vielseitige Experten für sämtliche Holzarbeiten. Diese Vielseitigkeit spiegelt sich auch in den Gesundheitsrisiken für Zimmerer wider: Schweres Heben geht auf die Knochen und die Gelenke. Säge, Hammer und Bohrer sind wichtige Begleiter (die Axt eher seltener), aber auch Lärm- und Gefahrenquellen. Zusätzlich steigt die Unfallgefahr bei Arbeiten in größerer Höhe.

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Verrenkungen sind das Problem im Innenausbau

7. Fliesenleger: Fliesenleger liegen ihren Kunden besonders zu Füßen. Sie verrichten viele Arbeiten in der knienden oder gebückten Position – manche schwer zu erreichende Stelle verlangt geradezu schlangenmenschartige Verrenkungen. Der Arbeitsschutzexperte spricht von so genannten Zwangshaltungen. Ein Drittel aller Fliesenleger leidet unter Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems – im Vergleich zu allen anderen Bauhandwerken sind sie sogar am häufigsten betroffen!

6. Estrichleger: Was für die Fliesenleger gilt, gilt auch für die Berufsgruppe der Estrichleger. Ihr Reich ist der Boden – dementsprechend häufig sind sie auf dem selbigen anzutreffen. Das geht vor allem in den (unteren) Rücken und die Knie – Verspannungen und Verschleiß sind die Folgen. Erschwerend hinzu kommt der Umgang mit gesundheitsgefährdenden Arbeitsstoffen und grobem Gerät.

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Würste, Pflastersteine und Kohle

5. Fleisch-/Wurstwarenhersteller: Zugegeben, diese Berufsgruppe fällt unter den ganzen Bauhandwerken aus dem Rahmen. Aber nur auf den ersten Blick. Das Lebensmittelhandwerk ist eben auch ein Handwerk. Und ohne Bauarbeitermarmelade geht auf einer Baustelle sowieso nichts. Hier passt der Begriff „Knochenjob“ wie das Kotelett in die Pfanne. Auch Fleisch- und Wurstwarenhersteller heben schwer – und verheben kann man sich eben nicht nur an Baustoffen, sondern auch an Lebensmitteln, die definitiv nicht in mundgerechten Portionen in die Produktion kommen. Hinzu kommen: Verletzungen durch Messer und Maschinen, Allergien und beruflich bedingte Hautkrankheiten und Stolper-, Sturz- und Rutschunfälle – die Liste der Gründe für eine Berufsunfähigkeit in diesem Beruf ist länger als die Haltbarkeit mancher Dauerwurst.

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4. Pflasterer: „Was hast Du wieder eingepackt? Pflastersteine?“ Diesen Spruch hat sich jede Frau mit ihrem Koffer auf Reisen Minimum einmal anhören müssen. In der Regel von schlaffen Schreibtischhengsten, die in ihrem Leben noch nie Pflastersteine geschleppt haben. Pflasterer verrichten echte Schwerstarbeit – und das von morgens bis spätnachmittags. Was sich besonders in den Schultern, im Nacken sowie im unteren Rücken, aber auch in den Knie-, Ellenbogen- und Handgelenken bemerkbar macht. Ein weiteres Problem: „Steine kloppen“ verursacht Lärm – Pflasterer sind im Vergleich mit anderen Bauberufen überdurchschnittlich von Hörstörungen betroffen.

3. Bergleute: Glückauf, die Silikose kommt. Die Staublunge ist wohl die Erkrankung, die jeder sofort mit dem Bergbau in Verbindung bringt. Es gibt aber noch andere klassische Diagnosen „für unter Tage“. Etwa das Bergmannsknie bzw. den Bergmannsellenbogen (verursacht durch Schleimbeutelentzündungen). Oder das Augenzittern der Bergleute. Nimmt man die Erkrankungen hinzu, die Bergmänner nicht „exklusiv“ für sich beanspruchen, wird schnell deutlich, warum gut jeder zweite Beschäftigte in diesem Beruf frühzeitig aussteigen muss.

Dachdecker und Gerüstbauer weit oben

2. Dachdecker: Dachdecker stehen weit über den Dingen – auch in der Statistik. Nach dieser ist jeder zweite Dachdecker vor dem Rentenalter berufsunfähig. Wenn über den Dächern etwas passiert, dann leider richtig. Aufmerksamkeit und ein sicherer Tritt gehören zwangsläufig mit aufs Dach. Stürze gehören zum Berufsrisiko, das mit Vorsicht und vorschriftsmäßiger Absicherung minimiert werden kann. Abgesehen hiervon plagen sich Dachdecker im Alltag mit denselben Belastungen wie ihre Kollegen am Bau herum: schwere Lasten, Lärm und Zwangshaltungen, die langfristig zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen können.

1. Gerüstbauer: Wer den gefährlichsten Job von allen ausübt, darüber können sich die Gerüstbauer mit den Dachdeckern streiten – wenn sie es denn wollen. Beide Berufsbilder Kopf an Kopf. Natürlich spielt auch hier die Gefahr von Stürzen eine Rolle, die eigentliche Belastung stellt die körperliche Anstrengung durch den Auf- und Abbau bei Wind und Wetter dar – auch wenn die Gerüstteile mit der Zeit leichter geworden sind. Interessant: Obwohl ganz oben im Ranking der gefährlichsten Berufe in Deutschland, sind Gerüstbauer seltener von Erkrankungen des Bewegungsapparates betroffen. Was vermutlich daran liegt, dass Gerüstbauer ab einem gewissen Alter umsatteln.

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Risikogruppe Handwerk?

Unser Ranking basiert auf der Statistik der gefährlichsten Berufe in Deutschland nach der Erwerbsunfähigkeit. Die Informationen zu den Belastungen und Erkrankungen einzelner Berufe stammen aus den betriebsärztlichen Gesundheitsberichten der Berufsgenossenschaften. Was uns zu der Frage führt: Unterschreiben junge Leute mit ihrem Ausbildungsvertrag im Handwerk automatisch ihre frühzeitige Berufsunfähigkeit? Das sicher nicht. Nur weil nach Statistik fünf von zehn Dachdeckern vor dem gesetzlichen Rentenalter berufsunfähig werden, heißt das nicht, dass alle fünf zwangsläufig aufgrund der berufstypischen Belastungen ausscheiden. In unserem Ranking haben wir Herz-Kreislauf-Störungen oder psychische Erkrankungen, bedingt durch ungesunde Lebensgewohnheiten und/oder Stress, ausgeblendet. Das sind ebenfalls Faktoren, die häufig zu einer Berufsunfähigkeit führen – im Handwerk, aber auch in allen anderen Branchen.

Ein erhöhtes Risiko aber, das ist nicht zu leugnen. Schließlich sprechen wir hier von körperlicher Arbeit. Wie jedes Werkzeug nutzt auch der menschliche Körper ab. Mit vorbeugenden Maßnahmen jedoch lässt sich das Risiko reduzieren, so dass Handwerksberufe nicht wesentlich gefährlicher sind als andere. Vieles regelt der Arbeitsschutz, der sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hat. Außerdem steigt das Bewusstsein für Gesundheit – für die der eigenen, aber auch von Arbeitsgeberseite für die der Belegschaft. Insbesondere ergonomische Aspekte von Arbeit rücken immer stärker in den Vordergrund. Verfahrensweisen und Abläufe, aber auch Arbeitsmaterialien wie Maschinen, Werkzeuge oder die Persönliche Schutzausrüstung werden immer weiter auf die Bedürfnisse des Menschen angepasst, damit dieser weniger „verschleißt“. Ob wir künftig deshalb noch mit 70 Jahren fit wie Turnschuhe über den Bau hüpfen können, sei mal dahin gestellt. Aber unser Leben nach der Arbeit ohne größere Gebrechen zu genießen, wäre ja schon viel wert.

INFOBOX

Sicherheitsschuhe und Ergonomie

Sicherheitsschuhe sollen in erster Linie, na klar, schützen. Vor herabfallenden Gegenständen, vor scharfkantigen Materialien oder unachtsam abgelegten Werkzeugen am Boden, vor Stürzen und Ausrutschern auf unebenen oder glatten Böden. Längst gibt es nicht mehr den einen Sicherheitsschuh für alle Berufe. Der Trend geht immer mehr zur Speziallösung. So haben wir bei ELTEN beispielsweise einen Schuh extra für Dachdecker im Programm. Darüber hinaus optimieren wir unsere Sicherheitsschuhe, so dass Menschen und ihre Füße möglichst wenig ermüden – etwa, indem wir unsere Schuhe an die Anatomie und die natürlichen Bewegungsabläufe während des Gehens anpassen. Wie innovativer Fußschutz zu einem gesünderen Arbeiten beiträgt, könnt Ihr beispielsweise im Beitrag unseres Experten Prof. Dr. Stefan Grau nachlesen. Wir beantworten aber auch gerne Eure Fragen hier im Blog unter diesem Beitrag!

18. April 2017 / von Christoph Nordmann